„It’s never too late!“

Dr. Sigrid Nilius berichtet aus ihrer Rolle als Biologin in der Arzneimittelentwicklung über ihren ungewöhnlichen Karriereweg, die Bedeutung von Chancengleichheit und darüber, warum es Mut braucht, als Frau in der Wissenschaft tätig zu sein.

 

Anlässlich des Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft möchten wir in den kommenden Wochen auf ein wichtiges Thema aufmerksam machen: Weltweit geht wertvolles Forschungspotenzial verloren, weil zu wenige Frauen in der Wissenschaft arbeiten. 


Wir wollen das ändern und zeigen, wie Frauen in der Wissenschaft bei uns wirken und inspirieren.    


Sigrid, woran arbeitest du bei UCB? 

Ganz kurz gesagt: Ich helfe, unsere Arzneimittel für Kinder zu entwickeln. Denn Kinder haben besondere Bedürfnisse, die in der Forschung und Entwicklung von Arzneimitteln ganz speziell berücksichtigt werden müssen. Als Development Strategy Lead Pediatric stelle ich sicher, dass diese Anliegen in jedem Schritt der Entwicklung verankert werden.


Welchen Berufswunsch hattest du als Kind?

Als Kind wollte ich zunächst Archäologin werden. Später, etwa ab der zehnten Klasse, habe ich ein starkes Interesse an Biologie entwickelt.


Wie sah dein Weg dann wirklich aus?

Rückblickend ist mein Lebensmotto wohl: „It’s never too late“. 

Ich bin das jüngste von drei Kindern und war anfangs im Gymnasium nicht immer besonders gut, insbesondere auch weil meine Lehrer in Chemie und Physik die Inhalte nicht besonders ansprechend vermittelt haben. Aus diesem Grund hatten meine Eltern nicht an ein Studium gedacht, auch aus finanziellen Gründen. Deshalb absolvierte ich nach dem Schulabschluss zunächst eine Ausbildung zur Chemisch-Technischen Assistentin und arbeitete vier Jahre im Labor eines Wasserwerks.
Die Biologie ließ mich aber nie los. Daher arbeitete so lange, bis ich elternunabhängiges Bafög beantragen konnte, und begann schließlich mit 25 Jahren mein Biologiestudium. Für viele aus meinem Umfeld war es verrückt, einen sicheren Job für ein Biologiestudium aufzugeben und in meinem Alter neu zu starten. Aber für mich war es genau richtig – ich wusste nun, was ich wollte. Ich schloss das Studium erfolgreich ab und promovierte anschließend weitere drei Jahre. Auch wenn ich dadurch relativ spät wieder ins Berufsleben eingestiegen bin, habe ich diese Entscheidung nie bereut und bin sehr froh diesen Weg gewählt zu haben.


Wie blickst du auf den niedrigen Frauenanteil in MINT-Fächern? Welche Erfahrungen hast du selbst gemacht bzw. von anderen mitbekommen?

In der Biologie ist der Frauenanteil während des Studiums meines Erachtens etwas höher als in anderen MINT-Fächern. Doch je höher die Karrierestufe, etwa hin zu Professuren, desto weniger Frauen sind vertreten. Ich glaube, das liegt unter anderem an der Familienplanung, die Karrieren ausbremsen kann – besonders auch durch lange Arbeitszeiten im Labor und manchmal auch an Wochenenden. Außerdem beteiligen sich Frauen seltener an Positionskämpfen, was ihre Aufstiegschancen beeinflusst. Ich selbst hatte das Glück, in meinem Berufsleben immer wieder auf KollegInnen und Vorgesetzte zu treffen, die mich gezielt gefördert haben. Etwa mein erster Job nach der Promotion in einem CRO, den ich trotz fehlender Vorkenntnisse bekam – meine damalige Chefin hat mir geholfen, mich gut in alle Themen einzuarbeiten. Nicht zu vergessen ist auch mein Mann, der, was noch immer unüblich ist, die Rolle des Hausmannes übernommen und sich um unsere Kinder gekümmert hat, während ich meiner Arbeit nachgehen konnte.


Was könnte man tun, um mehr Frauen für MINT-Berufe zu gewinnen und zu fördern?

Meiner Erfahrung nach kommt es stark auf die LehrerInnen an – das habe ich auch bei meinen eigenen Kindern beobachtet. Leider gibt es außerhalb des regulären Unterrichts kaum gezielte Förderung, und Kinder, die in Chemie, Mathe oder Physik Schwierigkeiten haben, werden oft einfach zurückgelassen. Die Fächer werden häufig nur für kurze Zeiträume unterrichtet, und so baut sich kein Interesse auf. Sobald sie abgewählt werden können, nutzen viele diese Möglichkeit. Ich fände geteilten Unterricht nach Geschlechtern zumindest einen Versuch wert, um spezifischere Förderung zu erreichen. Sehr wichtig sind auch Netzwerke und gegenseitige Unterstützung – wobei Eigeninitiative gefragt ist. Familienfreundliche, flexible Arbeitsmodelle sind essentiell, damit Frauen Beruf und Privatleben vereinbaren können. Bei UCB habe ich stets erlebt, dass das Geschlecht keine Rolle spielt (im positiven Sinne), wir haben viele Frauen in leitenden Positionen und sehr gute Rahmenbedingungen wie Vertrauensarbeitszeit.


Was rätst du Mädchen und jungen Frauen, die eine Karriere in der Wissenschaft anstreben?

Mein wichtigster Rat: Seid mutig, fangt einfach an und lasst euch nicht entmutigen. Es muss nicht alles perfekt sein – wichtig ist, dranzubleiben und sich von Rückschlägen nicht aufhalten zu lassen. Knüpft Netzwerke und unterstützt später, wenn ihr die Möglichkeit dazu habt, auch selbst wieder andere Frauen auf ihrem Weg!

 

 


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