Hitze trifft nicht alle gleich: Hohe Temperaturen als Gesundheitsgefahr

Portrait Antonia van Schwamen

 

Über die Autorin: Antonia van Schwamen ist studierte Biologin und Trainee Sustainability & Communication bei UCB. Sie begleitet die Weiterentwicklung von Nachhaltigkeitsthemen, vernetzt unterschiedliche Handlungsfelder und unterstützt dabei, Nachhaltigkeit ganzheitlich im Unternehmen zu verankern.


Hitzewellen in Deutschland: Wenn hohe Temperaturen zur Gesundheitsgefahr werden

 

Deutschland verzeichnete Ende Juni mit 41,7 Grad einen neuen Temperaturrekord. Wie sehr mich die Temperaturen an meine Grenzen gebracht haben, ist mir noch sehr präsent und das Gefühl hat sich im wahrsten Sinne in mein Gedächtnis eingebrannt.
Schlechter Schlaf, stickige Räume, geschmolzener Asphalt und Schienen, fehlende Konzentration und das Gefühl, dass selbst einfache Aufgaben plötzlich viel mehr Energie kosten als sonst. 

Die Klimakrise ist längst nicht mehr etwas, das wir nur in Berichten oder Prognosen diskutieren. Wir erleben sie im Alltag und sie fühlt sich nach 38 Grad im Schatten an.
Doch während Hitze für viele Menschen wie mich vor allem unangenehm ist, bedeutet sie für andere ein erhebliches Gesundheitsrisiko. 

Mehr als 4.300 Menschen starben laut Robert-Koch-Institut allein in Deutschland rund um das letzte Juni-Wochenende im Zusammenhang mit der Hitze. Zum Vergleich: Daten des Umweltbundesamt zeigen, dass sich zwischen 1951 und heute die Zahl der heißen Tage in Deutschland fast verdreifacht hat.

Die Auswirkungen des Klimawandels wie Hitzewellen, Starkregen, Überschwemmungen oder Waldbrände sind Teil der öffentlichen Debatte. Dabei gerät jedoch oft in den Hintergrund, dass Menschen von denselben Ereignissen unterschiedlich stark betroffen sind. Insbesondere vulnerable Bevölkerungsgruppen tragen die gesundheitlichen Folgen häufig besonders stark.


Warum Hitze nicht alle Menschen gleich trifft
 

Ein Körper, der gesund ist, verfügt über viele Mechanismen, um mit Hitze umzugehen. Doch nicht alle Menschen starten mit denselben Voraussetzungen in eine Hitzewelle.
Besonders gefährdet sind Menschen, deren Gesundheit oder Lebenssituation bereits zusätzliche Belastungen mit sich bringt. Dazu gehören Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-, Atemwegs- oder neurologischen Erkrankungen ebenso wie ältere Menschen, Kinder, Schwangere, Pflegebedürftige oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Hitze trifft hier nicht auf einen gesunden Organismus, sondern häufig auf bereits bestehende gesundheitliche Herausforderungen. Hohe Temperaturen können Beschwerden verstärken, körperliche Reserven zusätzlich beanspruchen und den Alltag erschweren.

 

Leben mit einer Erkrankung: Wie Hitze den Alltag zusätzlich belastet
 

Wie stark sich Hitze auf Menschen mit einer Erkrankung auswirkt, lässt sich nicht pauschal beschreiben. Selbst innerhalb derselben Erkrankung können die Erfahrungen und Herausforderungen sehr unterschiedlich sein. Manche Menschen reagieren bereits auf vergleichsweise milde Temperaturen oder Temperaturwechsel. Hinzu kommt, dass Alter, chronische Erkrankungen, Therapien, eingeschränkte Mobilität oder Pflegebedürftigkeit häufig zusammenwirken und sich gegenseitig verstärken.

Wie individuell diese Erfahrungen sein können, zeigt auch die Geschichte unserer Patientenbotschafterin Charlotte. Ihr Sohn Lennart lebt mit dem Dravet-Syndrom, einer seltenen genetischen Epilepsie, die meist bereits im frühen Kindesalter beginnt und teils gravierende geistige wie körperliche Einschränkungen mit sich bringt. Charlotte berichtete in einem früheren Interview, dass hohe Temperaturen für ihre Familie eine besondere Herausforderung darstellen. Da Lennart seine Körpertemperatur aufgrund seiner Erkrankung nicht selbstständig regulieren kann und eine erhöhte Körpertemperatur Krampfanfälle auslösen kann, spielt der Umgang mit Hitze im Familienalltag eine wichtige Rolle. An heißen Tagen bestimmen Sprühflaschen, Kühltücher und Ventilatoren den Familienalltag, weil sie helfen, zusätzliche Belastungen durch die Hitze zu reduzieren. Besonders warme Tage verbringt die Familie häufiger in Innenräumen, um zusätzliche Belastungen zu vermeiden.

Die Geschichte von Lennart und seiner Familie ist nur eine von vielen. Wie sich Hitze auf den Alltag auswirkt und welche Maßnahmen helfen können, ist dabei sehr individuell. Sie macht jedoch deutlich, dass Hitze für manche Menschen weit mehr bedeutet als ein paar unangenehme Sommertage und bestehende Belastungen zusätzlich verstärken kann.

 

Klimawandel und Gesundheit: Warum beide Themen untrennbar verbunden sind
 

Als biopharmazeutisches Unternehmen beschäftigen wir uns täglich mit und für Menschen, deren Alltag von Erkrankungen geprägt ist. Die zunehmenden Folgen des Klimawandels machen deutlich, dass Gesundheit nie isoliert, betrachtet werden kann.
Gesundheit wird nicht allein durch medizinische Versorgung geprägt, sondern auch durch die Bedingungen, unter denen Menschen leben.

 

Nachhaltigkeit bei UCB: Gesundheit, Umwelt und gesellschaftliche Verantwortung zusammendenken
 

Daraus ergibt sich für uns ein erweitertes Verständnis von Nachhaltigkeit. Für ein biopharmazeutisches Unternehmen wie UCB geht es nicht nur darum, Umweltauswirkungen zu reduzieren, sondern auch darum, die Wechselwirkungen zwischen Umwelt, Gesundheit und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.

Deshalb umfasst Nachhaltigkeit bei UCB bewusst mehr als Emissionen, Energie oder Ressourceneffizienz. Gesundheit und Wohlbefinden, Patient Engagement, Zugang zu Medikamenten, Ethik & geschäftliche Integrität, Inklusion, wissenschaftliche Innovation und die Gesundheit unseres Planeten werden als eng miteinander verbundene Themen verstanden.

Der Sommer 2026 macht diese Zusammenhänge auf unangenehme Weise sichtbar. Er zeigt, dass Klima-, Umwelt- und Gesundheitsthemen keine getrennten Herausforderungen sind, sondern eng miteinander verbunden. Wer Gesundheit langfristig fördern möchte, muss diese Zusammenhänge mitdenken.

 

Die Klimakrise als Frage der Gesundheit und Gerechtigkeit
 

Mich beschäftigt besonders, dass die Folgen des Klimawandels häufig zuerst die Menschen treffen, die ihnen am wenigsten entgegensetzen können, sei es aufgrund ihres Alters, ihrer Erkrankung oder ihrer Lebenssituation. Und sie werden diejenigen besonders lange begleiten, die heute noch Kinder sind. Das macht die Klimakrise für mich eben nicht nur zu einer Umweltfrage, sondern auch zu einer Frage von Gerechtigkeit.

Was als persönliches Gefühl an einem heißen Sommertag begann, wurde für mich vor allem zu einer Erkenntnis: Hitze trifft nicht alle gleich.

 

Mehr darüber, wie UCB Nachhaltigkeit versteht und warum wir Gesundheit, Umwelt und gesellschaftliche Verantwortung als zusammenhängende Themen betrachten, erfahren Sie hier: