0 Like Global Ethics Day: Warum Integrität bedeutet, auch das Richtige zu tun, wenn niemand hinschaut Über die Autorin: Marita Beckers ist Ethics & Business Integrity Lead für Deutschland bei UCB und unterstützt in dieser Rolle die Organisation und ihre Führungskräfte dabei, Integrität, verantwortungsvolle Entscheidungsfindung und eine offene Speak-up-Kultur im Arbeitsalltag zu verankern. Ethik und Compliance: Warum Integrität über Regeln hinausgehtViele Menschen verbinden Ethik zuerst mit Regeln und Compliance. Regeln sind wichtig, denn sie geben die Leitplanken innerhalb derer wir uns bewegen dürfen und schaffen Orientierung. Für mich geht Integrität aber weit darüber hinaus – sie beginnt dort, wo Regelwerke an die Grenze kommen. Das bedeutet, auch dann das Richtige zu tun, wenn niemand zuschaut. Entscheidungen müssen nicht nur danach getroffen werden, ob etwas erlaubt ist, sondern ob es mit unseren Werten vereinbart ist. Integrität ist eine langfristige Verantwortung, eine Entscheidung, die jede und jeder von uns täglich treffen muss. Was bedeutet Integrität? Entscheidungen nach Werten statt nach Vorgaben treffen Mein Blick auf Integrität wurde durch ein starkes Gerechtigkeitsempfinden und die Überzeugung geprägt, dass Menschen einen fairen und respektvollen Umgang verdienen. Deshalb versuche ich, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und Entscheidungen transparent sowie nachvollziehbar zu treffen.Integrität bedeutet für mich, auch in herausfordernden Situationen den eigenen Werten treu zu bleiben und Entscheidungen nicht nur daran zu messen, was möglich ist, sondern auch daran, was richtig ist. Vertrauen, Fairness und Respekt sind dabei die Grundlage jeder guten Zusammenarbeit. Ethische Entscheidungen treffen: Warum gute Absichten nicht immer ausreichen Dennoch ist es nicht immer einfach, ethische Entscheidungen zu treffen. Die meisten Mitarbeitenden wollen das Richtige tun. Dennoch können Zeitdruck, ambitionierte Zielvorgaben, Gruppendynamiken oder die Überzeugung, dass etwas „unbedingt“ erreicht werden muss, unseren Blick auf eine Situation beeinflussen. Ethische Entscheidungen werden gerade dann schwierig, wenn solche Faktoren unsere objektive Urteilsfähigkeit beeinträchtigen und wir mögliche Folgen oder Risiken ausblenden. Genau in diesen Momenten ist es wichtig, innezuhalten, einen Schritt zurückzutreten und die Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Erst mit dem nötigen Abstand können wir eine Entscheidung ganzheitlich bewerten und uns fragen: Ist das nicht nur erlaubt und zielführend, sondern auch das Richtige? Unbewusste Fehlentscheidungen vermeiden: Die Bedeutung einer starken Unternehmenskultur Ethisch falsche Entscheidungen sind eher im Ausnahmefall bewusste Regelverstöße. Viel häufiger entstehen Fehlentscheidungen unbeabsichtigt, weil Menschen auf Grundlage der Informationen und Perspektiven entscheiden, die ihnen in diesem Moment zur Verfügung stehen. Werden wichtige Fragen nicht gestellt, kritische Diskussionen vermieden, Annahmen nicht hinterfragt oder aufgrund früherer Erfahrungen keine weiteren Perspektiven eingeholt, steigt das Risiko unbewusster Fehlentscheidungen deutlich. Genau deshalb ist eine starke ethische Unternehmenskultur so wichtig: Sie schafft Raum für offene Diskussionen, unterschiedliche Sichtweisen und konstruktiven Zweifel. Denn gute Entscheidungen entstehen selten durch Gewissheit allein, sondern oft dadurch, dass wir bereit sind, unsere eigene Sichtweise kritisch zu hinterfragen.Dabei hilft es, sich ein paar Fragen zu stellen: Habe ich die Entscheidung getroffen, nachdem ich die „richtigen“ Personen eingebunden habe?War es eine informierte Entscheidung? Oder habe ich nur nach Bestätigung meiner eigenen Sichtweise gesucht? Welche Auswirkungen hat meine Entscheidung auf andere? Würde ich mich mit meiner Entscheidung auch wohlfühlen, wenn sie morgen auf der Titelseite einer Zeitung stehen würde?Auch dafür finde ich es wichtig, dass es Awareness-Tage wie den heutigen Global Ethics Day gibt, weil wir darauf aufmerksam machen können, dass wir uns bewusst mit diesen Fragen auseinandersetzen müssen. Speak-up-Kultur stärken: Warum Mitarbeitende Bedenken oft nicht ansprechen UCB fördert eine offene Feedback- und Speak-Up-Kultur. Trotzdem kostet es viele Menschen Überwindung, Bedenken anzusprechen. Das ist verständlich: Niemand möchte als schwierig gelten, Kolleginnen oder Kollegen belasten oder riskieren, mit der eigenen Einschätzung falsch zu liegen.Umso wichtiger ist es, Vertrauen in den Prozess zu schaffen. Wer in gutem Glauben eine Frage stellt oder ein Anliegen meldet, soll dies ohne Angst vor negativen Konsequenzen tun können. Deshalb schützen unsere Non-Retaliation Policy und die vertrauliche Behandlung von Meldungen diejenigen, die ihre Stimme erheben. Denn eine Kultur der Integrität entsteht nicht dadurch, dass Probleme verschwiegen werden, sondern dadurch, dass Menschen sich sicher fühlen, sie anzusprechen. Führungskräfte und Integrität: Wie Vertrauen und ethisches Verhalten entstehen Speak-Up ist kein Zeichen von Misstrauen, sondern ein Zeichen von Verantwortung. Und das entsteht nicht durch Worte, sondern durch erlebtes Verhalten. Entscheidend sind dabei wahrgenommene Konsistenz und sichtbares Führungsverhalten.Ein Unternehmen sollte sich immer fragen: Erleben Mitarbeitende im Arbeitsalltag, dass unsere Werte und Regeln verlässlich gelten? Beobachten sie, dass Bedenken ernst genommen werden und kritische Fragen erwünscht sind? Mitarbeitende schauen sehr genau auf das Handeln ihrer Führungskräfte. Besonders prägend ist dabei die Frage, ob Führungskräfte durch ihr Verhalten zeigen, dass Integrität genauso wichtig ist wie Ergebnisse. Denn erst wenn beides gleichermaßen zählt, entsteht das Vertrauen, das eine echte Speak-Up-Kultur braucht. Integrität, KI und Verantwortung: Warum Ethik zum Wettbewerbsfaktor wird In der aktuellen Zeit stehen wir vor neuen ethischen Herausforderungen: Mit der künstlichen Intelligenz verändern wir die Art, wie wir Entscheidungen treffen, Informationen verarbeiten und Inhalte erstellen. Daten werden zu einer immer wertvolleren Ressource. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Transparenz, Nachhaltigkeit und verantwortungsvolles Handeln.Die zentrale Frage wird daher nicht sein, ob neue Technologien genutzt werden können, sondern: Wie können wir sie verantwortungsvoll einsetzen?Für die Zukunft werden Neugier, kritisches Denken und der Mut zum Dialog wichtiger sein als je zuvor. Integrität wird nicht weniger relevant. Sie wird zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Mehr zu Ethik & Integrität Weitere UCB Stories